SCHLACHTSPIELE

In vielen Städten haben sich Schlachthöfe zu Kulturstätten entwickelt. Dort, wo früher die Schweine ausbluteten, schwitzen jetzt Performer*innen. Dort, wo das Schlachten praktiziert wurde, wird heute Kunst produziert. Und deshalb fragen wir uns: Was ist eigentlich aus dem „Schlacht“ im Wort Schlachthof geworden? Wenn das brutale Handwerk des Schlachtens aus unseren Städten verdrängt wurde, wo findet es dann statt?

Schlachtspiele erzählt die Geschichte unserer Suche nach Fleischesser*innen und Veganer*innen. Eine Suche nach Orten, an denen das Schlachten stattfindet. Eine Suche nach Lebewesen, die geschlachtet werden. Zuerst haben wir in Städten gesucht, dann auf dem Land. Dort haben wir Ludwig kennengelernt. Ludwig ist ein Hahn, der seine Identität verloren hat und nun bei den Schafen lebt... mitten im Bauernhofidyll. Zwischen zwitschernden Vögeln und Kuhglocken schwingenden Kühen finden wir keinen Platz für den Gedanken an Hochleistungsschlachtanlagen. Deswegen haben wir weiter gesucht und schließlich einen Ort gefunden, an dem Veganer*innen und Fleischesser*innen gemeinsam das Schlachten spielen und das Tier fühlen können. Wir wissen von den vielen Kulturhäusern, die früher in anderem Nutzen standen – Schlachthaus, Regenschirmfabrik, Brauerei, Schwankhalle - Es gibt sie überall, die sogenannten Konversionsflächen. Doch sie sind nicht einfach ein zufälliges Produkt unserer Geschichte, sondern städteplanerisches und wirtschaftliches Kalkül. In einer Welt, in der das Schlachten aus kleinen innerstädtischen Betrieben auszieht, um ganze Industrieflächen zu füllen, fragen wir uns, ob wir uns vorstellen können, ein Tier zu töten. Oder fünf, oder zehn, oder zwanzig? Zwischen Subjekt und Produkt, zwischen Bauernhofidyll und Hochleistungsschlachtanlage und zwischen Konversionsfläche und Kunstproduktion, zeigt uns Ludwig, dass Tiere Individuen mit eigenwilligen Charaktereigenschaften, Vorlieben und Abneigungen sind. Aber wie viel Individualität darf ein Lebewesen für sich beanspruchen? Und noch entscheidender, wie viel Freiraum sind wir Menschen bereit ihm und uns zu erlauben? Schlachtspiele verbindet persönliche Bezüge über das Thema Ernährung, die Bedingungen der Kultur- und Wirtschaftspolitik, denen wir uns als Künstler*innen und Konsument*innen hingeben müssen und die aktuelle Debatte: Wollen wir Tiere essen? Wir spielen Perspektiven gegeneinander aus und stellen die aktuellen Debatten vor, und natürlich Ludwig.

Und dann hat der Bauer uns die Geschichte erzählt, von dem Huhn, das seine Identität verloren hat. Es lebt jetzt bei den Schafen. Es frisst mit ihnen. Es schläft bei ihnen. Es grast sogar mit ihnen. Es denkt, es wäre ein Schaf.

PERFORMANCE Sira Möller, Winnie Wilka, Benjamin Wenzel

MUSIK &Claudia (hier reinhören)

KÜNSTLERISCHE LEITUNG Sira Möller, Winnie Wilka

TECHNISCHE LEITUNG Lukas Günther, Willi Wittig

MITARBEIT Anna Lapenina und Inke Johannsen

DAUER 60 Minuten

SPRACHE Deutsch

Bisher gespielt 15. | 16. | 17.12.2016 Gewölbe HS48 Domäne Marienburg Hildesheim

27.05.2017 UWE - der Festival Theaterakademie August Everding München

 

Schlachtspiele ist an jede Konversionsfläche individuell anpassbar und beschäftigt sich stets mit dem Ort der Aufführung.

MIT FREUNDLICHER UNTERSTÜTZUNG VON

© 2019 by edgarundallan

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