Es war ein ziemlich kalter Tag, der Schnee fiel über Nacht, taute aber bevor es hell wurde. Übrig blieb ein grauer, nasser Schleier aus Dreck. Wir waren trotzdem mit den Fahrrädern auf dem Weg zur Uni und sicher eingepackt in unsere dicken Mäntel. Der Funktionsbekleidung sei Dank. René war auch unterwegs, jedoch in seinem Rollstuhl und ohne wärmende Jacke. Seine Füße berührten den nassen Boden und er brachte den Rollstuhl allein durch seine kleinen Tippelbewegungen voran. Seine Arme nutzte er dafür nicht. Er sah krank aus, seine Haut war gelblich verfärbt. Er fiel auf.

Bei einem späteren Gespräch erzählte er uns, dass er zwar erst 38 Jahre alt ist, auf Grund seiner Pflegebedürftigkeit aber schon jetzt in einem Altenheim wohne. Dabei sei er gar nicht alt.
Schnitt.


 

Im Gegensatz zu René und zu uns ist Fosca unsterblich. 1279 in Norditalien geboren, verleiht ihm ein Elixier ewiges Leben. Egal ob bei der Entdeckung Amerikas, als Berater von Kaisern, bei wissenschaftlichen Entdeckungen oder verstrickt in revolutionären Aktionen, er durchlebt immer wieder das menschliche Entstehen und Vergehen. Doch was bedeutet das menschliche Leben, wenn es nicht vergehen kann? Herzschrittmacher, Verjüngungskuren, künstliche Hüften und Schmerztherapien, wodurch und wie lange können wir uns vor unserer eigenen Sterblichkeit verstecken? Und wenn wir schon unser Leben verlängern wollen - koste es was es wolle - wofür lohnt sich ein unendliches Leben?

 

Und welchen Wert hat der Tod und das Vergehen, vergleicht man es mit dem Schmerz der sicheren Einsamkeit eines einzelnen Unsterblichen?


Schnitt.
Zusammen mit Fosca und Réne wollen wir diese Bilder zeigen, die in unseren Köpfen sind. Bilder von den Menschen, die diesen Gedankenmechanismus über Leben, Pflegen und Sterben in Gang gesetzt haben. Diese Menschen wollen wir sichtbar machen. Bilder von Jemandes Oma, die seit einem Jahr im Pflegeheim wohnt, aber schon so verwirrt ist, dass sie immer noch denkt, sie sei bei sich zu Hause. So wie immer. Bilder von Jemandes Schwiegermutter, die selbst in einem Pflegeheim arbeitet und nicht selten so emotional in die Schicksalsschläge ihrer Patent*innen involviert ist, dass sie beim Abendessen davon berichten muss. Dabei sind es nicht immer traurige Geschichten, sondern eben auch alltagskomische Anekdoten, die uns zum Lachen bringen, wie man z.B. ein ganzes Pflegeheim mobilisiert, wenn der Fahrstuhl ausgefallen ist.

 

Mit welchem Anliegen reden wir, jung und gesund, von und mit Menschen, die es nicht sind?

 

Welches Interesse haben wir darüber zu sprechen, wie es sich anfühlt in einem Pflegeheim zu wohnen, zu leben, zu sterben? Wir möchten herausfinden, wie wir dieses sensible Thema auf der Bühne verhandeln können. Was heißt es, für einen kranken Menschen verantwortlich zu sein? Und was heißt es, krank in einem Pflegeheim zu leben?

PRODUKTION edgarundallan

PERFORMANCE Lena Albrecht, Clara Wiese, Winnie Wilka

MUSIK &Claudia (Benjamin Wenzel), Hanna Heitmann, Sira Möller

hier reinhören

TECHNISCHE LEITUNG Lukas Günther

MITARBEIT Inke Johannsen

DAUER 70 Minuten

SPRACHE Deutsch

 

Herzschrittmacher♥innen ist eine Produktion im Rahmen des deBühne Förderprogramm am Theaterhaus Hildesheim.

Spieltermine 23. | 24. | 25.03.2017 Theaterhaus Hildesheim

08.12.2017 WUK Theaterquartier Halle

IN KOOPERATION MIT

FÖRDERER♥INNEN

MEDIENPARTNER♥IN

© 2019 by edgarundallan

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